Das Thema „Nachvertonung / Synchronisation“ ist sehr komplex. Es gibt unheimlich viele Varianten, die über die Jahre entstanden sind. Daher ist es unmöglich, dies „in einem Aufwasch“ zu behandeln. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, hieraus eine Beitragsreihe zu machen und vieles nach und nach zu beleuchten.

Grundsätzliches

Was ich euch hier zeige, bezieht sich vornehmlich auf die Nachvertonung / Synchronisation von Komplett- oder Schnittfassungen. Die Vertonung selbstgedrehter Filme funktioniert mit kleinen Abwandlungen aber ebenfalls.

Vorlage hierfür ist entweder eine DVD oder BluRay, die wir mit unserer Super 8-Bildquelle synchronisieren möchten.

Ich hoffe, dass es mir gelingt, alles nachvollziehbar zu erklären und möglichst viele Varianten aufzuzeigen, ohne mich zu verzetteln.

Ich zeige euch die Vorgehensweise für die Nachvertonung / Synchronisation mit „meinen“ Programmen. Allerdings handelt es sich dabei grundsätzlich um Standard-Funktionen, die in vielen anderen Software-Produkten ebenfalls vorhanden sind. Anordnung und Position werden dort eben vermutlich an anderen Stellen sein. Bei den Camera-Apps bin ich mir da allerdings nicht ganz so sicher.

Was euch in der Beitragsreihe erwartet

Im heutigen ersten Teil der Reihe möchte ich euch zunächst eine kurze Einführung sowie eine Übersicht über die benötigte Hard- und Software geben. Bitte habt Verständnis, dass ich nur die Varianten unter Windows vorstellen kann, da ich keinen Mac besitze. Außerdem würde eine Erklärung dadurch noch komplizierter werden.

Im zweiten Teil folgt die Vorbereitung der digitalen Dateien, also von DVD oder BluRay. Teil 3 zeigt dann die umfangreichen Konvertierungsmöglichkeiten der Tonspuren.

Da eine Nachvertonung / Synchronisation am einfachsten über das Bild funktioniert, muss natürlich unser analoges Super 8-Bild erstmal digitalisiert werden. Hierfür filme ich die Super 8-Kopie einmal komplett ab. Wie das funktioniert und was man beachten muss, erfahrt ihr im vierten Teil.

Anschließend sind einige Videoschnitt-Arbeiten notwendig, bevor ein Echtbetrieb folgen kann.

Aber auch denjenigen, die keine Möglichkeit zu einem echten Synchronbetrieb haben, zeige ich eine recht praktikable Lösung. Auch hierbei ist dann sogar eine Tonwiedergabe bis zu 5.1 möglich, wenn ihr eine entsprechende Soundkarte habt.

Vielleicht erscheint euch der ein oder andere Weg etwas umständlich oder ihr findet eine andere Lösung. Für mich haben sich die einzelnen Schritte aber als funktionierend und praktikabel erwiesen. Außerdem muss man bei manchen Dingen auch mal von hinten durch die Brust ins Auge, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen 😉

Liste der Teile „Nachvertonung / Synchronisation“

Benötigte Hardware:

  • Einen Projektor – ist eigentlich klar 😉
  • PC oder Notebook – eigentlich auch klar, wobei Letzteres besser wäre
  • PAL-Videokamera oder Smartphone – Webcams sind eher ungeeignet
  • Für Synchronbetrieb eine 5.1-Soundkarte (bis Dolby 4.0) oder eine Soundkarte mit mind. 8 Kanälen (für Dolby 5.1), wie z.B. Native Instruments Audio 8 DJ oder Focusrite Scarlett 18i8 (2nd Generation oder neuer)
    In allen Varianten sollten diese aber einzelne Ausgänge für die jeweiligen Kanäle (es gehen auch Stereoklinke pro „Pärchen“) besitzen.
  • BluRay- oder (PAL-)DVD-Version des Films auf der Festplatte.
  • Optional: Ein Messgerät zur Bestimmung der Bildfrequenz (z.B. Drehzahlmesser)
Beispiel für einen Drehzahlmesser
Messgerät für die Bildfrequenz / Drehzahlmesser

Welche Verfahren gibt es für die Nachvertonung / Synchronisation?

Grundsätzlich muss man zwischen den folgenden Varianten unterscheiden:

  • Der Projektor steuert eine Tonquelle (Projektor = Master).
  • Die Tonquelle steuert den Projektor (Projektor = Slave).
  • Projektor und Tonquelle laufen unabhängig voneinander, aber möglichst parallel – also ohne echten Synchronbetrieb.

In einigen Bereichen ist die Bearbeitung für alle Verfahren identisch, in anderen unterscheiden sie sich. Von daher werde ich versuchen, alles so zu strukturieren, dass ihr nichts Unnötiges lesen müsst.

Die Wahl des Verfahrens

Die Wahl des Verfahrens hängt natürlich vom eingesetzten Projektor ab.

Projektor als Master

Projektoren, die als Master arbeiten können, gibt es einige. Hierbei „sendet“ das Gerät einen Kontakt oder Impuls an eine externe Tonquelle. Deren Geschwindigkeit wird dann an die des Projektors angepasst.

Früher gab es hierfür (teilweise umgebaute) Tape-Decks, Tonbandgeräte oder später auch CD-Player. Ein bekannter Hersteller solcher Ton-Geräte war z.B. Gebuhr. Aber auch einige Projektorhersteller haben für ihre Modelle entsprechendes Zubehör angeboten.

Masterfähige Projektoren sind zum Beispiel der Beaulieu 708 EL, sämtliche Baureihen des Elmo ST-1200 sowie die Bauer Studioklasse. Ersterer sendet beispielsweise einen Kontakt pro Bild.

Über diese „frühere“ Technik fehlen mir allerdings jegliche Kenntnisse, da ich nie ein entsprechend ausgerüstetes Tongerät in der Praxis gesehen habe. Ich weiß nur, dass dies oftmals ein Umbau in Form von sogenannten Reed-Kontakten, Hallgebern oder Lichtschranken nach sich zog.

Projektor Elmo ST-1200 HD magnetic & opticak (Seitenansicht rechts mit Spulen)
Der Elmo ST-1200 hat vorne eine kleine Klinkenbuchse, über die eine Tonquelle gesteuert werden kann.
OpenSource/DIY-Projekt „Synkino“

Aber auch in diesem Bereich bestehen mittlerweile digitale Möglichkeiten. Das aktuellste Beispiel hierfür ist Friedemann Wachsmuths OpenSource/DIY-Projekt „Synkino„. Hierdurch kann nahezu jeder Projektor (auch 16mm-Projektoren !!!) in ein masterfähiges Gerät verwandelt werden. Ein umfangreicher Testbericht ist bereits von mir in Vorbereitung.

Dies funktioniert bestens zum Beispiel mit der Bauer Studioklasse, dem Elmo ST-1200, aber auch mit einem Bauer P7 universal TS.

Da es das Synkino grundsätzlich nicht als fertiges Produkt gibt, sind umfangreiche Lötkenntnisse Voraussetzung. Wer diese nicht besitzt und auch keinen kennt, der diese hat, sollte besser die Finger davon lassen. Auch ein genaues Arbeiten nach der Bau- und Programmieranleitung ist für den erfolgreichen Abschluss notwendig. Lasst euch auch von der Größe auf dem Foto nicht irritieren! Wir reden hier von einer Platine mit den Maßen 9,0 x 6,5 cm.

Die Anleitungen dieser Beitragsreihe beziehen sich u.a. auch auf die Verwendung des „Synkino“.

Synkino - Draufsicht
Draufsicht auf das Synkino (Foto: Friedemann Wachsmuth)

Projektor als Slave

Sofern der Projektor als Slave arbeiten kann, steuert eine Tonquelle per (speziellem) Tonsignal die Geschwindigkeit des Projektors. Diese Steuerungsmöglichkeit ist eher selten.

Prominenteste Beispiele für slavefähige Projektoren sind der Elmo GS-1200 und der Braun Visacustic 1000 oder 2000 mit passendem Steuergerät. In letzterem Fall steuert ein 1000 Hz-Signal die Geschwindigkeit, d.h. ein 1000 Hz-Signal je Bild. Wer hierzu mehr wissen will, kann gerne hier… nachlesen.

Auch der Elmo GS1200 benötigt ein Steuersignal, welches ihm entsprechenden Impulse liefert, wobei bei ihm die Tonfrequenz egal ist. Dies bedeutet, dass ihr auch das des Brauns benutzen könntet.

Projektor Braun Visacustic 1000 (Seitenansicht rechts mit Spulen)
Der Braun Visacustic 1000 ist ein Beispiel für einen slavefähigen Projektor. Benötigt wird hierzu lediglich das entsprechende Steuergerät.
Braun Steuergerät für Braun Visacustic 1000
Braun Visacustic Steuergerät

Projektoren ohne echte Synchronmöglichkeit

Wer über keine der genannten Projektor-Varianten verfügt, hat dennoch die Möglichkeit der Nachvertonung / Synchronisation – auch wenn diese nicht 100% exakt ist und etwas Fingerspitzengefühl und Aufmerksamkeit bei der Vorführung erfordert.

Auch hierfür werde ich euch eine Lösungsmöglichkeit vorstellen.

Für diesen Bereich dürften wohl die Bauer 16mm-Projektoren das bekannteste Beispiel sein. Mangels steuerbaren Tonbandgerät dürfte er aber auch in deren Super 8-Studioklasse oftmals Anwendung finden.

Projektor Bauer T520 duoplay (Seitenansicht rechts mit Spulen)
Mit einem Bauer T520 funktioniert diese Lösung genauso…
Projektor Bauer P7 universal TS (Seitenansicht rechts mit Spulen)
…wie mit seinem 16mm-Bruder Bauer P7 TS.

Benötigte Software für die Nachvertonung / Synchronisation:

Für die Vorbereitungen und die eigentliche Nachvertonung / Synchronisation habe ich versucht, möglichst mit Freeware zu arbeiten. Aber in manchen Bereichen ist dies leider nicht möglich (wie z.B. Videoschnitt).

  • Beim Abfilmen per Smartphone: eine Camera-App, die mit einer genauen Bildrate pro Sekunde filmen kann. Diese sollte bei 25 Bildern pro Sekunde liegen (25 fps) (siehe Anmerkungen weiter unten),
  • mkvtoolnix (kostenlos) – zum Umwandeln der notwendigen Spuren der DVD bzw. BluRay in einen mkv-Container.
  • Bei dts-Tonspuren von BluRay: BOX4 (kostenlos) – für die Umwandlung von dts nach AC3 und Zusammenfassung in einem mkv-Container.
  • MKVcleaver (kostenlos) – GUI für mkvtoolnix zum entpacken der Einzelspuren aus dem erstellten mkv-Container.
  • headAC3he (kostenlos) – zum Umwandeln des AC3-Tons in WAV bzw. OGG/Vorbis.
  • Für WAV ab 4.0: Simple Wave Splitter – zur Erzeugung von einzelnen Mono-WAV’s aus einem Multichannel-WAV.
  • Videoschnitt-Software, die mehrere Bild- und Tonquellen unterstützt (z.B. Adobe Premiere Pro oder Magix Video Deluxe usw. – beides kostenpflichtig)
  • einen (flexiblen) Media Encoder – für notwendige Umrechnungen des Bildes, z.B. zur Verringerung der Dateigröße
  • Für die Wiedergabe bei einem nicht synchronisierbaren Projektor: die für den Heimgebrauch (je nach verwendeter Soundkarte) kostenlose DJ-Software VirtualDJ – nachfolgenden Hinweis beachten,

Die genannten Software-Produkte sind nur exemplarisch – bis auf VirtualDJ, aber das ist für die nicht gewerbliche Nutzung mit der internen Soundkarte des Computers/Notebooks kostenlos. In Teil 3 werde ich hierzu näheres schreiben.

Hinweis zur Camera-App

Sofern euch das Flimmern des Super 8-Bildes beim Abfilmen und der Synchronisation nicht stört, könnt ihr dies immer mit 25 Bildern pro Sekunde (25 fps) tun, unabhängig von der Bildrate der digitalen Quelle oder des Projekts. NTSC-Bildraten (z.B. 29,97) sind dafür wiederum eher ungeeignet.

Allerdings kann sich die Einfügeart des abgefilmten Materials in das Videoschnitt-Projekt von Software zu Software unterscheiden. Bei Adobe Premiere Pro ist es auf jeden Fall so, dass keine Veränderungen an der Quelldatei notwendig sind.

Schwierig zu erklären, aber eine 25 fps-Datei kann in ein 23,976-Projekt eingefügt werden, ohne dass sich die eigentliche Länge ändert, d.h. es ändert sich nur der Timecode innerhalb des Projektfensters, die Bildanzahl der Quelldatei jedoch nicht. Zum Beispiel ist das Ende des 25. Bildes einer Sekunde der Quelldatei eben nicht bei 1:00 im Projektfenster, sondern bei ca. 1:04.
Eventuell wollen andere Programme die Bildrate der Quelldatei an die des Projektes anpassen. Dies dann, wenn möglich, nicht durchführen.

Wenn die „Bordapp“ des Smartphones nicht ausreicht, z.B. weil man da keine Framerates einstellen kann, können zusätzliche Apps (z.B. bei iPhone „Filmic“, bei Android „4K Kamera Pro“ von Appuccino Dev oder „mcpro24fps“ von Chantal Pro SIA) eventuell hilfreich sein.

„Filmic“ für das iPhone wurde von verschiedenen Super 8-Filmern empfohlen. Da ich keines besitze, sondern derzeit ein Android-Smartphone, kann ich dazu nichts sagen.

Unter Android ist die Möglichkeit zum Abfilmen hardwareabhängig. Manchen Modellen kann man 25 fps „aufzwingen“, anderen nicht. Als Beispiele für Apps, mit denen es funktionieren kann, möchte ich „4K Kamera Pro“ (kostete bei Erstellung des Beitrags 4,59€) sowie „mcpro24fps “ (17,99€ bei Beitragserstellung) nennen. Bei diesen kann man unglaublich viele Dinge einstellen, die wir für das Abfilmen benötigen.
Für das Abfilmen mit meinem Huawei P30 Lite benötige ich zum Beispiel die zweitgenannte App.

Bitte beachtet, dass manche Einstellungen auf eurem Smartphone nicht verfügbar sein könnten.

Hinweis zur Videoschnitt-Software / Media Encoder

Hinsichtlich der Videoschnitt-Software benutze ich mittlerweile vorwiegend Adobe Premiere Pro 5.5. Ältere Versionen sind zwar meist möglich, aber abhängig vom benutzten Tonformat bzw. der für die Wiedergabe gewünschten Kanalmenge.

Für Dolby 5.1 sollte das Programm, der Einfachheit halber, AC3 lesen können. Es geht aber auch ohne, wenn ihr euch vor der Bearbeitung einer größeren Spurenanzahl (also pro Sprache 6) nicht fürchtet (siehe hierfür Teil 3).

Wenn ihr (WAV-)Tonspuren verwendet und die Wiedergabe bei slavefähigen Projektoren maximal in 4.0 erfolgen soll, ist der Schnitt ab Adobe Premiere Pro 2.0 (kostenpflichtig / kostenlos) machbar. Bei masterfähigen Projektoren (z.B. mit Synkino ) und ohne Synchronmöglichkeit, ist es bis zu Dolby 5.1 mit der Premiere-Version 2.0 möglich.

Sofern ihr mit AC3-Tonspuren arbeiten möchtet bzw. Dolby 5.1 mit slavefähigen Projektoren anstrebt, benötigt ihr hierfür die Version 5.5 oder neuer (kostenpflichtig).

Wie gesagt, können auch andere Videoschnittprodukte eingesetzt werden. Hier die Mindestvoraussetzungen:

  • Bild im Bild
  • Unterstützte Bildraten: 23,976 / 24 / 25
  • 2-3 Bildspuren
  • bis zu 25 Tonspuren
  • Submix-Spuren
  • Mehrkanal-Ausgabe (5.1 oder mehr)
  • keine zwingende Anpassung von eingefügten/importieren Medien an Ratio, Auflösung oder Bildrate des Projekts
  • Optional: AC3-Unterstützung

Beim Media Encoder verwende und zeige ich zwar den Adobe Media Encoder 5.5, aber es sind viele andere möglich. Er sollte zumindest m2v und m4v (h264 & h265) umrechnen können.

Der 2. Teil der Beitragsreihe wird sich mit den Vorbereitungen der DVD- bzw. BluRay-Dateien für die Nachvertonung / Synchronisation befassen.