Wer richtig Sound bei seiner Vorführung über die Boxen jagen oder einfach „nur“ einen Film nachvertonen möchte, dem zeige ich in diesem Beitrag, wie man eine Synchronisation zwischen Super 8-Projektor und PC zustande bringt.

Es muss nicht immer ein Elmo GS-1200 sein, um einen Synchronlauf mit dem PC hinzukriegen. Für weitaus weniger Geld gibt es da den Braun Visacustic 1000 oder 2000 stereo. Okay – das entsprechende Steuergerät wird seltener angeboten, kostet aber dennoch nicht die Welt.

Nachteil dieser Projektoren ist allerdings, dass der 1000er nur 180m-Spulen und der 2000er nur 240m-Spulen fasst. Aber dieses Problem kann mit einer Langspieleinheit auch umgangen werden.

Ich gehe mal davon aus, dass wir Komplettfassungen mit dem PAL-DVD-Ton (nicht BluRay!!!) synchronisieren möchten. Da ich nirgendwo im Internet eine “richtige” Anleitung dafür gefunden habe, baute ich diese Seite.

Das Grundverfahren ist grundsätzlich nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern Filmfreund Jörg Niggemann hat es mir für seinen Elmo GS gezeigt. Ansonsten habe ich mich dann ein bisschen reingearbeitet und es für den Braun angepasst.

Mit Sicherheit gibt es noch andere Varianten, aber ich stelle hier einfach mal meine Vorgehensweise vor.

Wie gesagt, ist diese Beschreibung nicht für die Synchronisation mit einer BluRay geeignet. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Bildfrequenz der Medien. Während eine PAL-DVD mit 25 Bildern/Sekunde läuft, liegt die Bildfrequenz einer BluRay bei 23,976 – was der originären Kinogeschwindigkeit entspricht.

Nichtsdestotrotz wird es in naher Zukunft das hier vorgestellte Synchronisierungsverfahren in einer separaten Beitragsreihe auch für BluRay geben. Ich bitte aber hier noch um Geduld, da ich selbst noch am Experimentieren bin.

Als Sahnehäubchen wird auch noch ein Beitrag für die Ton-Wiedergabe in 4-kanäligem Dolby Digital-Sound aus der 5.1-Tonspur folgen – also sozusagen Synchro XXL 🙂

„Materialliste“

Benötigt werden:

  • Braun Visacustic 1000 stereo (oder eben der 2000er)
  • Braun Visacustic Steuergerät
  • Adobe Audition (keine Freeware!) oder einen anderen Audioeditor, der Signale erzeugen kann
  • Kabel mit 6pol-(Video-)-DIN-Stecker auf Cinch oder 3,5mm- Klinke (muss man selbst bauen! – siehe unten)
  • Adapter 5pol-Audio-DIN auf 4x Cinch-Kupplung
  • Kabel 3,5mm-Klinke auf 2x Cinch
  • Adobe Premiere 2.0 oder andere geeignete Videoschnittsoftware
  • ASIO-fähige 5.1-Soundkarte (Tipp: Oft funktioniert auch ASIO4ALL!)
  • Videokamera, die ein Live-Bild in die Software übertragen kann oder Webcam (PAL-fähig!!!)

Das Video-DIN-Kabel

Zunächst muss das Video-DIN-/Cinch-Kabel hergestellt werden, da Pin 5, der das Steuersignal trägt, originär bei den käuflichen Adaptern meistens unbelegt ist.

Als Grundlage diente bei mir allerdings ein handelsübliches Stereo-Cinch-Kabel, wie man es an nahezu jeder Stereoanlage findet. Ich bin keine Koryphäe in Sachen Löten. Daher will ich mir die „fuddelige“ Cinch-Seite sparen. Da geht es auf der Video-DIN-Seite einfacher – meine Meinung.

Die Original-Belegung der Video-DIN-Kabel sieht folgendermaßen aus (Draufsicht):

Stecker:

Video DIN-Kabel Steckerbelegung (Draufsicht)

1 = Leer
2 = Video
3 = Masse
4 = Audio links
5 = Leer
6 = Audio rechts

Buchse:

Video DIN-Kabel Buchsenbelegung (Draufsicht)

1 = Leer
2 = Video
3 = Masse
4 = Audio links
5 = Leer
6 = Audio rechts

Sofern ihr ein gekauftes Video-DIN-Kabel benutzen wollt, so haben die meisten “gespritzte” Stecker, bei denen man an die Kontakte fast nicht rankommt. Daher hatte ich mir bei Conrad-Electronic welche bestellt (Bestell-Nr. 737453-62).

Unser Kabel soll ja nur das Steuersignal transportieren. Hierfür brauchen wir nur ein Massenkabel und ein weiteres. Daher tut es auch das „normale“ Cinch-/Cinch-Kabel der Stereoanlage, wenn ihr einen Video-DIN-Stecker zu Hand habt.

Die Masse muss nun am Video-DIN-Stecker auf Pin 3 (in einigen weinigen Fällen kann es auch Pin 4 sein) und das Steuersignal-Kabel auf Pin 5 gelötet werden (ist von der Lötseite aus gesehen rechts unten).

Wenn ihr das komplette Kabel lötet, muss auf der Cinch-Seite letzteres an den Pin, der vorne rausschaut, was aber bei handelsüblichen Cinch-Kabel sowieso der Fall ist.

Das 1000 Hz-Signal (=Steuersignal)

Damit das Steuergerät die richtigen Impulse vom PC bekommt, benötigen wir ein Signal, das 25x in der Sekunde einen Ton mit der Frequenz 1000 Hz liefert. Analog funktioniert das natürlich auch mit 18 oder 24 Bilder/sek.

Dafür muss man das Signal natürlich auf die benötigte Bilderzahl anpassen und die Abstände dazwischen entsprechend vergrößern. Das mit den 25 Bildern resultiert daraus, dass die DVD’s mit dieser Bilder-Frequenz laufen – also eigentlich 1 Bild/s schneller, als die Kinofassung und daher auch in der Laufzeit kürzer.

Da für die Video-Bearbeitung Adobe Premiere benutzt wird, braucht das Signal eine Samplerate von 48 kHz.

Beides kann man mit der Software “Adobe Audition” bewerkstelligen. Als ich das Verfahren entwickelt habe, gab es noch dessen Vorgänger CoolEdit, mit dem ich mein Signal erstellte. Ein Guide für Audition liefere ich noch nach.

Von Audobe Audition es eine 30-Tage-Testversion, die euch aber für die einmalige Erstellung des Signals in entsprechender Länge ausreichen sollte.

Adobe Audition Button für Testversion
Adobe Audition Button für Testversion

Für diejenigen, die sich die ganze Sache einfach machen möchten, gibt es ein Beispiel für 25 Bilder pro Sekunde mit einer Länge von 5 sek . Wenn ihr dieses verlängern wollt, achtet auf den korrekten Abstand beim Anfügen. Es empfiehlt sich, dieses Signal immer “am Stück” zu benutzen. Also entsprechend lange wählen.

Die Verbindungen herstellen

Zunächst verbinden wir den Ausgang des Center-Signals und den Signal-Eingang des Steuergerätes durch unser DIN/Cinch-Kabel.

Das Klinke/Cinch-Kabel kommt nun vom Front-Signal-Ausgang auf unseren Audio- DIN- Adapter, welcher dann an die Phono-Buchse des Visacustics angeschlossen wird.

Bei dem von mir verwendeten DIN-Adapter von Vivanco muss ich komischerweise die rechte Eingangskupplung (rot) für den linken Aufnahme-Kanal (Spur 1 – weißer Stecker) und die linke Ausgangskupplung (weiß) für den rechten Aufnahmekanal (Spur 2 – roter Stecker) verwenden.

Das Abfilmen

Für die Aufnahme unseres Filmes auf den PC benötigen wir nun zum einen am Besten eine Audio-Software, die ASIO unterstützt. Ich für meinen Teil habe glücklicherweise eine Vollversion von Steinbergs WaveLab, aber an und für sich sollte es auch mit jeder anderen Wiedergabe-Software (z.B. Audacity usw.) Hauptsache ist, sie unterstützt 48 kHz-Dateien.

Des Weiteren brauchen wir eine Software, die das von der Kamera gesendete Signal direkt aufnehmen kann. Dies funktioniert fürgewöhnlich mit Adobe Premiere, aber bei dem ein oder anderen PC kann es auch sein, dass kein Bild kommt.

Jetzt suchen wir uns ein geeignetes Startbild für unsere Aufnahme, welches dann bei der eigentlichen Synchronisation wieder als Beginn unserer Wiedergabe dient. Oftmals befindet sich vor einem Einzähler ein Bild namens “Picture Start”, welches ich eigentlich immer benutze.

In die Audio-Software laden wir nun unser Steuersignal und machen die Video- Software bereit zur Aufnahme.

Durch Drücken des Knopfes “Speicher Reset” am Steuergerät machen wir dieses bereit zum Empfang unseres Steuersignals. Es darf kein anderer Knopf gedrückt sein !

Danach drehen wir den Schalter des Visacustics in die Wiedergabestellung, ob mit oder ohne Ton ist hierbei egal. Auf jeden Fall darf er sich noch nicht bewegen.

Zuerst starten wir nun die Aufnahme durch unsere Video-Software und schicken anschließend mit unserer Audio-Software das Signal an unser Steuergerät.

Nun sollte der Visacustic loslaufen und wir können den gesamten Film abfilmen. Die Video- Aufnahme auf unserem PC darf keine ausgelassenen Frames beinhalten.

DVD-Dateien für die Synchronisation vorbereiten

Damit wir die Dateien mit Adobe Premiere bearbeiten können, müssen Bild und Ton getrennt vorliegen.

Kopiert hierzu zunächst die DVD auf euren PC. Wie dies geschieht, möchte ich allerdings nicht näher ausführen.

Zum Demuxen – also dem Trennen in Bild und Ton – benutze ich die Software “Project X”. Der Nachteil ist bei dieser, dass sie Java Runtime braucht.

Oftmals liegen die Audio-Spuren dann im AC3-Format vor, welches aber von Adobe Premiere nicht importiert werden kann. Mit der Software “Head AC3 he“ können wir diese aber in einen 48 kHz-Stereo-WAV-File konvertieren.

Liegen nun alle Dateien einzeln vor, dann können wir mit der Bearbeitung starten.

Die Bearbeitung

Dies passiert also in Adobe Premiere. Da das Programm teilweise doch recht komplex ist, werde ich nicht jeden Arbeitsschritt einzeln erklären, sondern mich auf das Wichtigste beschränken. Sonst würde es einfach den Rahmen sprengen. Ein bisschen was müsst ihr also auch selbst herausfinden 😉

Neues Projekt anlegen

Wählt in dem Eröffnungsfenster zunächst “Neues Projekt”. Legt den Speicherort und den Namen des Projektes zwar fest, aber drückt noch nicht auf “OK”, sondern wechselt in das Register “Benutzerdefinierte Einstellungen” und wählt dort auf der linken Seite den Eintrag “Standardsequenz”.
Im Bereich “Video” wählt 2 Spuren.

Bei Audio stellt zunächst den Master-Dropdown auf 5.1. Des weiteren benötigen wir 1 Mono- (für Steuersignal) sowie 3 Stereospuren (1x Filmaufnahme, 1x Tonspur Deutsch, 1x Tonspur Englisch).
Nun könnt ihr auf “OK” klicken und das neue Projekt anlegen lassen.

Um die Übersicht zu bewahren, sollten die Spuren zuerst entsprechend ihrem Inhalt benannt werden.

Spurnamen in Adobe Premiere für die Synchronisation
Spurnamen in Adobe Premiere

Dateien für die Synchronisation importieren

Importiert nun in das Projekt eure ganzen Dateien inkl. des Steuersignals. Dies geschieht mittels rechtem Mausklick in der Dateiliste. Wählt dann “Importieren”.

Dateien für die Synchronisation in Adobe Premiere importieren
Dateien importieren in Adobe Premiere

Dieser Vorgang nimmt einige Zeit in Anspruch. Auch wenn die Dateien bereits in der Dateiliste sichtbar sind, können sie nicht direkt bearbeitet werden. Premiere muss sie erst für die Benutzung “aufarbeiten”. Rechts unten in der Statusleiste seht ihr, welche Datei gerade in Bearbeitung ist.

Nachdem dies abgeschlossen ist, zieht die Dateien in die jeweiligen Spuren. Das Steuersignal lassen wir aber zunächst mal aussen vor. Sofern ihr die abgefilmte Version als AVI vorliegen habt, werden Bild und Ton parallel in der Leiste auftauchen und bereits verbunden sein.

Anders sieht es bei den DVD-Dateien aus. Achtet darauf, dass sie parallel starten! Nun markiert ihr diese, klickt mit der rechten Maustaste darauf und wählt im aufgehenden Kontextmenü den Punkt “Verknüpfen”.

Spuren verknüpfen in Adobe Premiere
Spuren verknüpfen in Adobe Premiere

Hiermit ist gewährleistet, dass auch beim Verschieben der Spuren diese immer synchron bleiben.

Vorbereitungen für die Synchronisation

Es ist auch möglich, die Bildgröße in der Vorschau zu ändern. Ich empfehle, das DVD-Bild in der vollen Auflösung zu lassen, das Super 8-Bild zu verkleinern und es in eine Ecke des Vorschaufensters zu schieben. Der Vorteil liegt darin, dass man die Schnitte bei der Synchronisation seht gut erkennen kann.

Ansicht für die Synchronisation
Ansicht für die Synchronisation

Sucht nun zunächst in der Super 8-Bildspur euer Startbild, schiebt den Startpunkt bis dahin und anschließend die Spur an den Anfang.

Die eigentliche Synchronisation

Jetzt beginnt der eigentliche Synchronisierungsvorgang. Fahrt mit der Wiedergabe an eine Stelle am Anfang mit “hartem” Szenenwechsel in der Super 8-Spur. Schiebt nun die DVD- Bildspur so lange, bis auch dieser dort erscheint. Durch die Verknüpfung werden die Tonspuren automatisch mit verschoben.

Geht nun den Film durch und kontrolliert, ob die Bilder bei Szenenwechseln immer synchron sind. Ist dies nicht mehr der Fall, so sucht die Stelle, bei der die Abweichung beginnt und wählt im Menü “Sequenz” den Punkt “An aktueller Zeitposition durchschneiden”.

Sequenz durchschneiden in Adobe Premiere für eine Synchronisation
Sequenz durchschneiden in Adobe Premiere

Korrigiert anschließend die DVD-Spur entsprechend der Abweichung. Auch wenn die Super 8- Spur mit durchgeschnitten wird, darf diese niemals verändert werden. Aber das dürfte wohl klar sein 😉

Wenn ihr dann den ganzen Film durchgearbeitet habt, schiebt nun noch das Steuersignal in die entsprechende Tonspur.

Audioeinstellungen

Bevor wir das Ganze für die Synchronisation aber benutzen können, müssen wir noch ein paar Audioeinstellungen machen. Wählt hierzu das Register “Audiomixer” links neben der Bildvorschau.

Schiebt dort die Punkte des Steuersignals sowie der deutschen Tonspur nach vorne in die Mitte. Beim Steuersignal muss der “Center”-Regler auf 100 % und beim deutschen Ton auf 0 stehen. Den englischen Ton schiebe ich immer in den Rear-Bereich und schalte ihn anschließend aus. Auch dort muss der Center auf 0% stehen.

5.1-Konfiguration des Audiosignals in Adobe Premiere
5.1-Konfiguration des Audiosignals in Adobe Premiere

Aktivieren und Deaktivieren von Spuren

Um den Rechner zu entlasten, empfiehlt es sich, alle Spuren, die man nicht braucht, zu deaktivieren. Markiert hierzu zunächst alle Elemente der Super 8-Bildspur, klickt mit der rechten Maustaste darauf und wählt im Kontextmenü “Aktivieren”, um so dort das Häkchen heraus zu nehmen.

Aktivieren und Deaktivieren von Spuren
Aktivieren und Deaktivieren von Spuren

Anschließend erscheint die Spur hell. Damit ihr später aber noch wisst, was denn genau euer Synchronbild war, geht ganz an den Anfang, fahrt 3 Bilder vor und schneidet die Spur wieder durch. Nun eben diese Sequenz mit 3 Bildern anklicken und das Häckchen bei “Aktivieren” wieder setzen. Jetzt sollten nur diese 3 Bilder wieder dunkel sein.

Ansicht aktivierte und deaktivierte Spur
Ansicht aktivierte und deaktivierte Spuren

Wenn ihr alles richtig gemacht habt, so wird nach diesen 3 Bildern im Vorschaufenster der Super 8-Teil verschwinden. Deaktiviert danach mittels einfachem Klick noch das Lautsprechersymbol in der nicht gewünschten Tonspur.

Danach sollte nun eine synchrone Wiedergabe zwischen PC und dem Braun möglich sein. Dennoch kann es sein, dass man hie und da nochmal am Steuergerät mit dem Kippschalter nachregeln muss, aber das ist bei mir eher selten der Fall.

Viel Spaß !

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